Aufholjagd wird nicht belohnt

Die Überschrift hätte auch lauten können: „Beobachter vom WFV machen junges Schiedsrichterkollektiv nervös“, aber ob die vielen Fehlentscheidungen in der zweiten Halbzeit wirklich daran lagen, dass eine Gruppe von Schiedsrichterausbildern und Lehrgangsteilnehmern regionaler Fußballverbände im Stadion weilte, lässt sich natürlich schwer beurteilen. Abgesehen davon, entstände so möglicherweise der Eindruck, als würden einzig und allein die „Unparteiischen“ an der Niederlage des DJK Sokol Ralbitz/Horka in Großröhrsdorf verantwortlich sein. In den ersten 20 Minuten lief das Spiel völlig an den Gästen vorbei. Vor allem die Verteidigung wirkte ungeordnet. Sebastian Bensch, der sonst für Stabilität sorgt und im Spielaufbau eine wichtige Rolle einnimmt, befand sich im Urlaub. Seine Mannschaftskameraden schienen mit dieser ungewohnten Situation zur Anfangsphase überfordert und kassierten prompt zwei frühe Gegentore. Beide Male lief ein Angreifer des SC 1911 von rechts in den Strafraum, zog alle Verteidiger auf sich, flankte nach links, wo ein freistehender Mitspieler ungehindert einnetzen konnte. Auf diese Art wäre um ein Haar auch noch das 3:0 gefallen. Ralbitz wurde nun wach und versuchte den Ball im offensiven Mittelfeld zu halten, um die Abwehr nicht abermals in derart brenzlige Situationen zu bringen. Die Gastgeber hatten sich inzwischen zurück gezogen, standen hinten kompakt und ließen den DJK Sokol nur selten bis in den eigenen Sechzehner vordringen. Ein Pfostenschuss, Außennetz und knapp vorbei, gehörten zu den Höhepunkten der ersten Halbzeit. Trainer Thomas Schultz bemängelte den teils behäbigen Spielaufbau, ein Zustand der sich nach dem Seitenwechsel ändern sollte. Ralbitz drückte nun aufs Tempo, rückte bei eigenem Ballbesitz schneller nach vorn auf, bot den Rödertalern dadurch aber auch Kontermöglichkeiten. Sebastian Böhm erhielt nach einem Trikotzupfer die gelb-rote Karte. Seine neue Aufgabe bestand darin, auf der Tribüne hinter dem gegnerischen Tor die vorbei geschossenen Bälle zu fangen, um ein mögliches Zeitspiel der Gastgeber zu unterbinden. Es dauert nicht lange, hatte Sebastian das Spielgerät auch schon in der Hand. Ein Umstand der laut Regeln nicht erlaubt ist. So wurde er vom Schiedsrichter auf die Gegengerade verbannt und einer seiner Mannschaftskameraden nahm den Platz hinter dem Tor ein. Das Wort „Affentheater“ lag wohl nicht nur mir auf den Lippen. Wer geglaubt hatte, der DJK Sokol Ralbitz/Horka würde mit einem Spieler weniger in alte Handlungsmuster aus Halbzeit Eins zurückfallen, sah sich getäuscht. Alle Jungs bissen noch einmal auf die Zähne, rannten jedem Ball hinterher, gingen entschlossen in die Zweikämpfe und ließen ihre mitgereisten Anhänger vom Anschlusstreffer träumen. Inzwischen machte die Nachricht vom Sieg der Dresdner Dynamos die Runde, welche nach einem Freistoß in letzter Minute die Führung erzielten. Warum sollte etwas ähnliches an diesem Nachmittag nicht auch in Großröhrsdorf möglich sein? Ein Jubelschrei riss mich aus den Gedanken. Peter Domaschke traf zum 2:1. Kurz darauf hatte er sogar die Chance zum Ausgleich, doch Robert Klotz im Tor des SC 1911 warf sich mit dem Rücken auf den großgewachsenen Angreifer und verletzte sich dabei offensichtlich an der Schulter. Es gab Freistoß für die Gastgeber. Wenig später, wurde ein Ralbitzer Verteidiger von den Beinen geholt, der Schiedsrichter ließ allerdings Vorteil für den foulenden Spieler laufen und gab erst Freistoß, nachdem Torwart Christoph Gloxyn den Angriff gerade noch abwehren konnte. Es folgte ein offensichtliches Handspiel eines Rödertalers im eigenen Strafraum, geahndet mit Freistoß für den Handballspieler. Trainer Thomas Schultz war zurecht aufgebracht. Wer mit Leib und Seele dabei ist, kann in solchen Momenten einfach nicht schweigsam auf der Bank sitzen. Hand, erneut nutze ein Großröhrsdorfer das verbotene Körperteil, um den Ball ins Seitenaus zu drücken. Zur Belohnung durfte dieser Spieler den folgenden Einwurf gleich selbst ausführen. Die letzte Minute brach an, meine Gedanken schweiften zu Dynamo, als Peter Domaschke eine Flanke aus dem Mittelfeld per Kopf verlängerte und die Murmel im oberen rechten Eck einschlug. Nun gab es kein Halten mehr, Trainer und Auswechselspieler liefen jubeln auf das Feld. Zur Verwunderung zeigte Schiedsrichter Maurizio Hoffmann jedoch nicht auf den Anstoßpunkt, sondern gab Abstoß. Peter Domaschke hätte angeblich im Abseits gestanden. Ich schaute sofort auf mein geschossenes Foto und wünschte mir in diesem Moment den Video- oder zumindest Fotobeweis. Die Großröhrsdorfer Verteidiger hatten ebenfalls einen regulären Treffer gesehen und schüttelten unverständnisvoll mit dem Kopf. Es schien, als hätte der Linienrichter einfach mal pro Forma die Fahne gehoben, da Peter Domaschke ja sonst auch öfters im Abseits steht. Alles flehen, betteln und kommentieren half nichts, der Treffer sollte nicht zählen. Ralbitz warf nochmal alles nach vorn, Schuss, abgewehrt, der Linienrichter zeigte zur Ecke.

Abpfiff, der Eckstoß durfte nicht mehr ausgeführt werden.

Die Schlussminuten sah Trainer Thomas Schultz von der Tribüne, auf welche er wegen seiner geäußerten Kritik zum nichtgegebenen Ausgleich verwiesen worden war. Aufholjagd wird nicht belohnt weiterlesen

Obdachlose fotografieren ihre Stadt

Cafe Art, eine in Großbritannien ansässige Initiative mit dem Ziel, Obdachlose zu unterstützen, sowie durch Kunst und Fotografie als Gemeinschaft zu stärken, übergab im Juli 100 Fujifilm Einwegkameras an Obdachlose in London. Deren Aufgabe war es, ihre Stadt und Szenen des Alltags zu fotografieren. Über 2500 Fotos entstanden auf diese Weise, von denen einige in einem Kalender für das Jahr 2016 abgedruckt werden. Der Erlös aus dem Verkauf der Kalender soll die Unkosten decken und für zukünftige Projekte von Cafe Art verwendet werden.

Eine schöne Idee, die sich bestimmt auch in anderen Regionen umsetzen lässt.

Testspiel statt Kreispokal

Als ich laß, dass der FC Oberlausitz Neugersdorf zum Testspiel in Nebelschütz antreten würde, hatte ich eigentlich die erste Mannschaft des Regionalligisten erwartet. Ein Klick auf die Partie bei Fussball.de hätte gereicht um zu erfahren, dass es sich lediglich um die A-Jugend vom FCO handelt. Die anfängliche Enttäuschung schlug in Erstaunen um. Der Nachwuchs aus Neugersdorf präsentierte sich äußerst spielstark und diktierte das Geschehen auf dem Platz. Ein wenig zu verspielt, denn anstatt zielstrebig den Abschluss zu suchen, wurde der Ball lieber noch einmal zurück gegeben. So waren Torgelegenheiten trotz der Dominanz eher selten. Die Gastgeber ließen den Gegner wohl auch aus Respekt gewähren und zogen im entscheidenden Moment des Zweikampfes den Fuß zurück. Dies änderte sich erst nach dem Seitenwechsel. Nebelschütz wurde nun mutiger und konnte selbst einige Male in den Strafraum des FCO vordringen. Dort wurden gute Torchancen zum Teil völlig überhastet vergeben. Wahrscheinlich aus Angst, ein balltechnisch versierter Verteidiger könnte ihnen die Kugel gleich wieder abnehmen oder eben auch vor lauter Überraschung, derart frei im Sechzehner zu stehen. Am Ende gewann Neugersdorf durch ein Tor in der 90. Minute mit 0:1.

Das Spiel der SG Nebelschütz war am Sonntag eines der Hauptgesprächsthemen auf den Sportplätzen der Region. Nicht weil statt der ersten Mannschaft des FC Oberlausitz die A-Jugend auf dem Feld stand, sondern aufgrund dessen, dass die zweite Mannschaft der SG Nebelschütz zum zeitgleich stattfindenden Kreispokalspiel beim SV Seeligstadt keine 7 Spieler zur Verfügung hatte. Das Duell wurde somit nicht angepfiffen, für den Gegner gewertet und Nebelschütz mit einer finanziellen Strafe belegt. Über die Hintergründe wurde viel spekuliert, unverständlich ist jedoch, warum ein Testspiel durchgeführt wird, anstatt mit dieser Mannschaft im Kreispokal anzutreten.

Sicherlich haben die Vereine unterschiedliche Prioritäten festgelegt, aber ist es nicht so, dass der Kreispokal den Höhepunkt einer Saison darstellt? Der Aufstieg kommt für viele Vereine aus sportlichen und finanziellen Gründen eh nicht in Frage und ein möglicher erster Tabellenplatz wirkt unter diesem Hintergrund gar nicht mehr so attraktiv. Welche Motivation bleibt dann noch übrig, wenn selbst Pokalspiele abgeschenkt werden, nur um eventuell ein zusätzlich freies Wochenende zu erhalten?