Idylle und Aufregung in Ralbitz

Idyllisch war es in Ralbitz, als ich kurz nach Anpfiff zum Spiel gegen Motor Cunewalde eintraf. Die Frühlingssonne schien und zahlreiche Vögel zwitscherten in der Hecke vom Sportgelände. Ganz alleine saß der Kassierer am Einlass, keine weitere Menschenseele war auf den ersten Blick zu sehen. Nur vereinzelte Rufe konnte ich hören, denn gespielt wurde 200 Meter weiter hinten auf dem Hartplatz. Dort ging es ähnlich beschaulich zu. 42 Zuschauer ließen sich den Wind um die Nase wehen und warteten gespannt auf Torszenen für ihre jeweilige Mannschaft. Gefährlich wurde es jedoch selten, obwohl Cunewalde einen Tick offensiver agierte und die Gastgeber ideenlos wirkten. Inzwischen hatte ich es mir auf einer Bank am Volleyballfeld bequem gemacht, wären die stürmischen Böen nicht gewesen, hätte es richtig gemütlich sein können. Zweite Halbzeit wird besser, da haben wir Rückenwind, versprach mir ein Sokolist und sollte Recht behalten. Der eine oder andere Zuschauer war noch nicht von seiner Pausen-Bockwurst zurück, da lagen sich die Gäste in den Armen. Für Ralbitz sollte das 0:1 der Weckruf sein. Kaum wieder angepfiffen, ließen die Hausherren endlich ihre spielerische Klasse aufblitzen, zeigten ein schönes Kombinationsspiel und erzielten so den Ausgleich. Zwei Minuten später lag die Murmel erneut im Kasten von Marcus Schmidt, der im nahegelegenen Horka zuhause ist und trotzdem im Trikot des 40 Kilometer entfernten Cunewalde zwischen den Pfosten steht. Bei der anschließenden Diskussion um eine rote Karte, konnte er sich somit auch gleich auf Sorbisch in die hitzige Diskussion einmischen. Es half nichts, dem Unparteiischen blieb keine andere Wahl, denn der Ralbitzer Spieler wäre ohne die Notbremse durch gewesen. Drei Minuten später gelang Cunewalde ein Kopfballtor, allerdings auf der falschen Seite, 3:1. Vierzehn Minuten reichten somit, um die Partie zu entscheiden. Aus der Überzahl vermochten die Sokolisten kein Kapital zu schlagen, was wohl auch daran lag, dass den Angreifern langsam die Kräfte ausgingen. Stattdessen kombinierte eher Cunewalde und drückte auf den Anschlusstreffer. Trainer Thomas Schultz wies seine Spieler darauf hin, dass hier noch lange nicht Schluss sei. Je näher der Abpfiff rückte, desto nervöser wurden die Jungs der SG Motor. Bei einigen lagen die Nerven nun blank und es hagelte gelbe Karten wegen Schiedsrichterbeleidigung. Auch diesem sind inzwischen verschiedene tschechische Schimpfwörter sowie Kraftausdrücke bekannt. Noch schnell gelb-rot, ehe die Partie zu Ende ging.

Weitere Informationen findet ihr in der sorbischen Zeitung „Serbske Nowiny„.

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