Die Suche nach dem perfekten Augenblick

Rolf Dvoracek – Die Suche nach dem perfekten Augenblick – Bautzen in Fotografien aus sechs Jahrzehnten

Die Suche nach dem perfekten Augenblick, Bautzen in Fotografien aus sechs Jahrzehnten, so heißt die aktuelle Sonderausstellung im Stadtmuseum Bautzen. Zu sehen sind zahlreiche fotografische Werke von Rolf Dvoracek, der lange Zeit als lokaler Journalist und Fotoreporter in der Spreestadt wirkte und noch heute mit seiner Kamera unterwegs ist.

Ereignisse, Denkmale alter Stadtbaukunst, Verfall, Abriss und Neubau, das alltägliche Leben sowie bekannte Persönlichkeiten. Thematisch sortiert nimmt die Ausstellung den Betrachter mit auf eine Reise durch die jüngere Stadtgeschichte. Angebrachte Beschriftungen zu den Motiven, sucht man aus ästhetischen Gründen vergebens. Stattdessen liegen Bücher mit kleinere Abbildungen, sowie den jeweiligen Beschreibungen bereit. Ein solches Buch kann ebenfalls käuflich erworben werden. Doch auch ohne Untertitel ist bei fast allen Aufnahmen zu erkennen, um welche Gebäude es sich handelt. Ich persönlich schwelgte sofort in Erinnerungen. Beispielsweise zeigt ein Bild das 1994 abgerissene Stadtbad an der Wallstraße, in das mich meine Eltern zu ersten Schwimmübungen brachten. Fotografisch dokumentiert wurde von Rolf Dvoracek ebenfalls die Eröffnung vom Marktkauf in einer ehemaligen Getreidelagerhalle auf der Autobahn. Geduldig warteten wir im Stau auf einen freien Parkplatz und waren anschließend überwältigt von der riesigen Warenauswahl. Manche Familien hatten sogar mehrere Einkaufswagen gekapert, um dort so viel rauszuschleppen, wie nur ging. Überrascht hat mich, dass über die Eisenbahnschienen an der heutigen Arbeitsagentur, ehemals eine Bogenbrücke aus Stahl führte und am Holzmarkt eine vollautomatische Waschanlage für PKW´s betrieben wurde. Auch Wehmut kam beim Betrachten auf, da einige heute bebauten Ecken früher scheinbar attraktiver waren. In diesem Zusammenhang fällt mir unter anderem die Grünanlage und der Weidenbaum neben der Bushaltestelle auf der Neusalzaer-Straße ein, dort wo sich heute die Filiale eines Geldinstituts im architektonischen Charme der Neunziger befindet. Andere Gebäude, vor allem in der Altstadt, sind inzwischen schön hergerichtet und ein Grund, warum Bautzen zu einem beliebten Reiseziel für Touristen aus nah und fern geworden ist. Besonders gefallen haben mir die Fotografien, auf denen Menschen und ihr tägliches Arbeitsumfeld von Rolf Dvoracek abgelichtet wurden. Es sind oft Details, die den Blick längere Zeit an das Motiv fesseln. Einrichtungsgegenstände, Fahrzeuge und Kleidung der Personen, vieles längst aus dem Gedächtnis verdrängt. Wahrscheinlich ist es ein Vorteil, dass die meisten Fotografien schwarz-weiß sind, wodurch sich der Betrachter besser auf das eigentliche Motiv konzentrieren kann und nicht von den Farben abgelenkt wird.

Wie oder mit welchen technischen Hilfsmitteln hat der Fotograf die Motive aufgenommen? Auch diese Fragen werden zum Teil beantwortet. In großen Vitrinen befinden sich ausgewählte Kameras und Objektive, mit denen Rolf Dvoracek täglich umher streifte. Zu beneiden war er im Zusammenhang auf das Gewicht dieser Ausrüstung wahrlich nicht. Beeindruckend ist ebenfalls, für welch hohe Bildqualität der Lichtbildner seit Jahren steht. Vor allem mit den Mitteln vergangener Zeiten, Dunkelkammer statt Photoshop Lightroom, überlegte Herangehensweise auch wegen der wenigen Bilder die auf einen Rollfilm passen, gerade Linien bei Gebäuden ohne nachträgliche Objektivkorrektur, Schärfe und das Auge des Fotografen für den Hintergrund bei einem Hauptmotiv.

Wer selbst fotografiert geht sicherlich inspiriert nach Hause. Andere werden neben Erinnerungen an vergangenes, durchaus Ideen für die Zukunft von der Ausstellung mitnehmen. Ich denke dabei an die Modenschau am Springbrunnen auf dem Kornmarkt bei der Einzelhändler mitwirken könnten, einen Gottesdienst auf dem Hof vom Domstift St. Petri oder sogar ein K-Wagenrennen zwischen Kornmarkt und Lauengraben.

Die Sonderausstellung läuft noch bis zum 26. Juni 2016.

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