Dramatik pur zum Kreispokal Viertelfinale

Natürlich standen sich zum Kreispokal Viertelfinale in Panschwitz-Kuckau nicht der FC Liverpool und Borussia Dortmund gegenüber, doch die spielentscheidende Situation war nahezu identisch jener Sekunden am Europapokalabend wenige Tage zuvor. Angetrieben von 320 Zuschauern rund um den Sportplatz, wuchsen die Jungs des SV Sankt Marienstern über sich hinaus. Wer geglaubt hatte, der Spitzenreiter der höherklassigen Kreisoberliga würde ein Schützenfest feiern, wurde anfangs eines besseren belehrt. Crostwitz schien zwar spielstärker, fand jedoch gegen die kämpferisch überaus starke Leistung des SVM kein geeignetes Mittel. Nicht unbedingt überraschend fiel das 1:0. Der SV Sankt Marienstern war mit Mann und Maus in den Crostwitzer Strafraum gestürmt, sorgte dort für Verwirrung und irgendwie landete das Spielgerät schließlich im Netz. Die Uhr tickte dem Abpfiff entgegen. Bereits sechs Minuten ließ der Unparteiische nachspielen, als Rayk Schulze zum 1:1 ausglich. Da war es, das berühmte Déjà-vu. Während alle rot gekleideten feierten, machte sich unter den Spielern sowie Anhängern des SV Sank Marienstern Enttäuschung und Fassungslosigkeit breit. Auch wenn der inzwischen mitspielende Trainer Tobias Škoda seine Jungs noch einmal einschwor, der Bann war für Crostwitz nun gebrochen. Drei weitere Gästetreffer folgten in der Verlängerung, ehe der Favorit den Einzug ins Halbfinale feiern konnte.

Auch wenn es nur einen Sieger geben kann und das Endresultat natürlich nicht allen Wünschen entspricht, war das Derby im Kreispokal Viertelfinale ein stimmungsvoller sowie außergewöhnlicher Nachmittag für alle sorbischen Sportfreunde. Vielleicht steht es mir nicht zu, die folgende Kritik zu äußern. Ich fand es schade, dass die Ansagen vom Platzsprecher lediglich in deutscher, nicht aber wie sonst beim SV Sankt Marienstern üblich, in sorbischer Sprache durchgeführt wurden. Wenn selbst bei sorbischen Veranstaltungen nicht mehr Sorbisch gesprochen wird, wo dann?

Wünschenswert wäre außerdem, wenn die Beschriftungen auf dem Trikotrücken neben Deutsch auch in Sorbisch wären. Bei einigen Vereinen ist dies der Fall, in Panschwitz-Kuckau und unter anderem bei der SG Nebelschütz leider nicht. Es ist doch so, dass die betreffenden Sportvereine nicht nur das jeweilige Dorf im sorbischen Siedlungsgebiet, sondern eben auch die Sorben allgemein repräsentieren und mit positiven wie emotional ansprechenden Auftritten das Selbstwertgefühl dieser kleinen Volksgruppe stärken.

Aktualisierung: Die Aufstellungen hatte der Platzsprecher noch in sorbischer Sprache verlesen. Das später nur Deutsch gesprochen wurde, lag offenbar an der Aufregung.

Einen ausführlichen Bericht zum Drama in Panschwitz-Kuckau, findet ihr in der sorbischen Zeitung „Serbske Nowiny“ (Ausgabe vom Dienstag den 19.04.2016).

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