Sportfotografie mit der Fujifilm X-T1

Fujifilm X-T1

Fast alle Sportfotografen die ich bisher kennen gelernt habe, verwenden Kameras von Canon oder Nikon. Ich möchte euch in diesem Beitrag zeigen, dass sich auch mit der Fujifilm X-T1 gute Ergebnisse erzielen lassen. Gedanklich sehe ich die vielen Aussagen in diversen Fotoforen vor mir: „Mit Fujifilm kann man keinen Sport fotografieren, deren Autofokussystem ist dafür viel zu langsam.“ Ehrlich gesagt, fühlte ich mich dadurch herausgefordert.

Im September 2016 hat der japanische Hersteller den Nachfolger, die X-T2 auf den Markt gebracht, wodurch der Verkaufspreis für die X-T1 stark gesunken ist. Nicht nur deshalb, wird das ehemalige Flaggschiff von Fujifilm in den Fokus des ein oder anderen Neueinsteigers rücken oder als Zweitkamera für ambitionierte Fotografen in Frage kommen.

Die größte Umstellung zur digitalen Spiegelreflexkamera ist der digitale Sucher. Während der Fotograf bei einer DSLR in den optischen Sucher, über den Spiegel durch das Objektiv schaut, wird bei einer spiegellosen Kamera, wie der Fujifilm X-T1, das Bild elektronisch in den Sucher und auf den Bildschirm an der Kamerarückseite projiziert. Tippe ich den Auslöser an einer DSLR kurz an, fokussiert die Kamera auf das gewünschte Motiv. An dem Bild, dass ich durch den Sucher sehe, ändert sich jedoch nichts. Bei der spiegellosen X-T1 ist das ein wenig anders. Dort stoppt das elektronisch in den Sucher projizierte Bild ganz kurz, sobald ich den Auslöser leicht drücke. Das ist bei Sportarten mit schnellen Bewegungen eher hinderlich, weil ich in diesem Moment den Sportler verliere. Während ich beim Autorennen davon ausgehen kann, dass die Fahrzeuge auf der Strecke bleiben und die Kamera somit einfach weiter in Fahrtrichtung bewege, ist das beim Fußball, Basketball oder Eishockey schon schwieriger. Oft kann ich als Fotograf nur erahnen, wohin sich der ball- oder puckführende Spieler bewegen wird. Nach anfänglichen Misserfolgen bin ich erfolgreicher, wenn ich den Auslöser gleich durchdrücke und eine Serie schieße. Allerdings stockt die Kamera nach einigen Bildern und muss die Dateien erst speichern, ehe sie wieder einsatzbereit ist. Dadurch entgehen mir weitere spannende Situationen. Dieser Umstand ist bei Spiegelreflexkameras nicht anders und kann durch schnellere Speicherkarten behoben werden.

Als zweiten großen Nachteil empfinde ich die Reaktionszeit, wenn lange nicht fokussiert wurde, oder die Kamera gar ausgeschaltet war. Beim Fußball stehe ich in der Regel an der Seitenlinie in Höhe Strafraumgrenze oder zwischen Tor und Eckfahne an der Torauslinie. Ist das Spielgeschehen auf der anderen Spielfeldhälfte, lege ich die Kamera zur Seite und setzte diese erst wieder ans Auge, sobald der Ball in meine Spielfeldhälfte kommt. Eine DSLR wie meine Canon 5D Mark II ist dann viel schneller wieder einsatzbereit. Die X-T1 braucht verhältnismäßig lange, um aufzuwachen und anschließend zu fokussieren.

Gewöhnungsbedürftig war für mich anfangs der Zoom an den Objektiven, denn dieser funktioniert entgegengesetzt zu dem von Canon.
 
Was mir gut gefällt, ist die Bildqualität der X-T1. Diese steht der Canon 5D Mark II in nichts nach. Vor allem die Farben finde ich ich bei Fujifilm außerordentlich gut. Ebenso wirken die Bilder auf mich schärfer und kontrastreicher. Ideal die 49 Autofokus-Messfelder, die bis an den Rand des Bildausschnitts reichen und das mich das Bedienungskonzept der Fujifilm Kameras begeistert, erwähnte ich in einem früheren Beitrag. Für diese positiven Qualitätsmerkmale nehme ich gern die genannten Nachteile in Kauf. Natürlich kann ich Motive, die mit der X-T1 fotografiert wurden, nicht in gleichem Maß ohne Qualitätsverluste in Adobe Lightroom zuschneiden, wie Fotos von der Canon 5D Mark II. Schließlich besitzt sie keinen Vollformatsensor und verfügt lediglich über 16 Megapixel. Doch selbst um Fotos in A3 entwickeln zu lassen, reicht der kleinere Sensor völlig aus. Das Problem des Zuschneidens löste ich während meiner Tests mit einer längeren Brennweite und nutzte das Fujinon XF50-140mm F2.8 R LM OIS WR zusammen mit dem Fujinon XF 1.4X TC WR Telekonverter. Somit kommen ich auf einen maximalen Zoom von 196mm. Das ist, als hätte ich an der Canon 5D Mark II ein 294er Objektiv. Zu dem Unterschied zwischen Vollformat- und APS-C Kamera hatte ich bereits in einem anderen Beitrag geschrieben. Der Cropfaktor bei Fujifilm beträgt 1,5.

Auch der Fokus arbeitet sehr präzise, wenn er denn erstmal gegriffen hat. Meine Ausschussquote scheint identisch zu Canon. Ebenso ist die X-T1 mit Objektiv kleiner und leichter, als vergleichbare Kombinationen von Canon oder Nikon. Allerdings hat die geringere Größe einen Nachteil: Ich habe das Gefühl, dass mir die Kamera aus der Hand rutscht. Passiert natürlich nicht. Jedoch gibt es für den unteren Teil meiner Hand, Höhe kleiner Finger, nichts zum Anfassen. Einen Batteriegriff, welcher an die Unterseite der Kamera geschraubt wird, finde daher äußerst sinnvoll. Außerdem kann ich durch den zusätzlichen Akku länger fotografieren.

Fujifilm X-T1

Nachfolgend meine Kameraeinstellungen für die Fujifilm X-T1 mit dem Fujinon XF50-140mm F2.8 R LM OIS WR und Fujinon XF 1.4X TC WR Telekonverter für Sportaufnahmen.
 
Serienbildmodus: CL, da ich beim schnelleren Modus CH nach einigen Aufnahmen nicht mehr fotografieren kann und warten muss, bis die Bilder gespeichert werden

Speicherkarte: 16 GB, Extreme Pro San Disk 95 MB/s

Fokusmodus: C

Autofokuseinstellung:

Fokussierbereich: 15 Fokuspunkte als Rechteck in der Mitte
Prio. Auslösen/Fokus: AF-S und AF-C jeweils auf Fokus
Einst. Sofort-AF: AF-C
AF Modus: Zone
Gesichtserkennung: aus
Augenerkennung: aus
Pre-AF: an
Hilfslicht: aus
  
Ich fotografiere grundsätzlich RAW und schaue nur durch den Sucher. Das große Display ist aus, wodurch die Kamera weniger Strom verbraucht.

Hab ich dein Interesse geweckt und du möchtest die Kamera mit verschiedenen Objektiven testen? Frag doch einfach den Fachhändler deines Vertrauens, ob die Möglichkeit einer Leihe besteht.

Radrennen in Obergurig mit der Fujifilm X-T1, ISO 200, 196 mm, f/4.0, 1/1000 Sek.

Motocross in Jauer mit der Fujifilm X-T1, ISO 200, 70 mm, f/4.0, 1/1000 Sek.

Fußball, SV Einheit Kamenz gegen den FC Eilenburg mit der Fujifilm X-T1, ISO 250, 161 mm, f/4.0, 1/1250 Sek.

U16 Basketballnationalmannschaft, Tschechien gegen Schweden mit der Fujifilm X-T1, ISO 3200, 24 mm, f/4.0, 1/1000 Sek.

Eishockey, Bílí Tygři Liberec gegen Amur Chabarowsk mit der Fujifilm X-T1, ISO 2000, 188 mm, f/4.0, 1/500 Sek.

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