Archiv für den Monat: November 2016

Arbeitssieg, Tabellenführer

Die üblichen Kraftausdrücke und Schimpfwörter waren nach der Niederlage gegen Litvínov überall zu hören. Gestern lagen sich alle wieder in den Armen, glückliche Gesichter überall in der Home Credit Arena, einige Fotografen summten beim Aussortieren ihrer Fotos am Laptop die Torhymne sowie andere Lieder aus den Unterbrechungen. Gewinnen ist natürlich immer am schönsten. Dabei war der Sieg gegen die Piraten aus Chomutov keine klare Angelegenheit. Offensichtlich steckten den Raubkatzen die letzten Partien in den Knochen. Es fehlte an Spritzigkeit im Angriff und der letzte entscheidende Schritt vor dem gegnerischen Tor. Die Mannschaft um den auch diesmal wieder überragenden Schlussmann Roman Will, versuchte mit vielen Pässen zum Erfolg zu kommen, doch leider war es immer das eine Abspiel zu viel, der Gegner schob seine Kelle dazwischen und die Chance war vorbei, ehe wirklich Torgefahr entstand. Ein Blick auf die Tabelle bestätigt, dass Liberec zwar defensiv sicher steht, doch im Verhältnis zu den unmittelbaren Ligakonkurrenten seltener trifft. Die beste Chance hatte Milan Bartovič in Überzahl, traf die Latte, Nachschuss von Dominik Lakatoš, ein Verteidiger war dazwischen, reagierte blitzschnell, passte auf Michal Vondrka, der sich plötzlich alleine vor Roman Will wiederfand. Glück für Liberec, dass der Vierundzwanzigjährige so schnell reagierte. Eine fast identische Chance, wie den Lattentreffer durch Milan Bartovič, konnten die Gäste im zweiten Drittel für sich verbuchen. Roman Will lenkte einen Schuss des Gegners mit der Schulter an die Latte. Das Spiel lief zunächst weiter, ehe die Situation in der nächsten Unterbrechung per Video analysiert wurde. Es war die stärkste Phase der Gäste. Liberec kam kaum aus der eigenen Hälfte und hatte Mühe, die Partie wieder in den Griff zu bekommen. Die Pausenansprache vor dem letzten Drittel sollte Wirkung zeigen. Von Beginn an sah sich der Gegner in seiner Hälfte eingeschnürt. Die Weißen Tiger agierten, als wären sie in Überzahl. Gestocher vor dem Gehäuse der Piraten, Michal Bulíř brachte die Scheibe irgendwie zu Ondřej Vitásek, der das Spielgerät mit Hängen und Würgen über die Linie drückte, 1:0. Jetzt ein Doppelschlag, das war es was sich viele Anhänger der Raubkatzen im weiten Rund wünschten. Es sollte so kommen. Drei Minuten später, Schuss von der blauen Linie, Petr Jelínek steht im gegnerischen Torraum, springt hoch um den Weg für die Scheibe frei zu machen, drin 2:0. Von nun an sollte Liberec die Partie dominieren, ein Aufbäumen der Piraten fand nicht statt, wodurch die Führung ruhig und abgeklärt über die Zeit gebracht wurde.

Verlieren auf hohem Niveau

Nach zwölf Siegen in Folge stolperten die Weißen Tiger über einen starken Gegner aus Litvínov. Im zweiten Drittel beschlich mich das Gefühl, dass wir heute noch ewig spielen könnten, Tore würden trotzdem nicht fallen. Beide Mannschaften standen defensiv sicher und ärgerten den Gegner immer wieder mit kleineren Nadelstichen. Dabei blieben alle Akteure auf dem Eis meist fair. Als sich Viktor Hübl zu Karel Kubát auf die Strafbank gesellte, agierten die Raubkatzen für eine Minute in doppelter Überzahl, brachten dabei jedoch keinen nennenswerten Torschuss zustande. Die Uhr lief ohne weitere Unterbrechungen der Pause entgegen. Gedanklich zählte ich zum Ende die Sekunden rückwärts. 12, 11, 10, 9, 8 .. František Gerhat, passt im Fallen auf den freistehenden František Lukeš, der zwei Meter vor dem Tor einnetzt, 0:1. Ausgeglichen startete auch das letzte Drittel. Liberec musste jetzt offensiv mehr machen, doch das war gar nicht so einfach. Keine Sekunde durften die Erzgebirgler aus den Augen gelassen werden. Als der Gastgeber in der 49. Minute wechselte, nutze František Lukeš die Unaufmerksamkeit und traf per Flachschuss zum 0:2. Wenige Sekunden später fuhr Dominik Lakatoš mit der Scheibe an seiner Kelle hinter das Gästetor. Alle Augen waren auf ihn gerichtet, wodurch Lukáš Krenželok schlicht übersehen wurde. Der 33 jährige Angreifer schob den Puck weniger Zentimeter vor der Torlinie in die Maschen. Der Jubel blieb verhalten, schnell sollte es weiter gehen. Die Raubkatzen drängten auf den Ausgleich, warfen alle körperlichen Reserven in die Waagschale und versuchten wirklich alles. Es sollte nicht sein.

Erfolgreiche Aufholjagd zum Tschechisch-Deutschen-Fantag

Werde ich einige der kleinen Kufenflitzer zukünftig bei den Profis wiedersehen? Diese Frage beschäftigte mich zum Freundschaftspiel zwischen dem Nachwuchs der Weißen Tiger und den Young Panther Jonsdorf. Erstaunlich wie flink, lauf- und zweikampfstark, bereits die Jüngsten auf dem Eis um Punkte kämpfen. Auch von den Torleuten waren großartige Paraden zu erleben. Unter den stolzen aber ebenso kritischen Augen von Eltern und Trainern, hatten alle derart viel Spaß, dass am Ende keiner wusste, wie die beiden zeitgleich stattfindenden Kleinfeldpartien überhaupt ausgegangen waren. Tore fielen jedenfalls einige.

Weiter ging es zum Tschechisch-Deutschen-Fantag mit den Profis. Egal ob aus Jonsdorf oder Liberec, natürlich fieberten alle gemeinsam mit den Weißen Tigern. Die Partie zwischen dem Tabellenzweiten und dritten, wurde dem Prädikat Spitzenspiel mehr wie gerecht. Nach Klängen von der Jazzband „Dachkammergang“ aus Zittau, einer Autogrammstunde im Fanshop und dem symbolischen Bully durch Thomas Zenker, Bürgermeister der Stadt Zittau, konnte es losgehen. Einige Zuschauer waren noch gar nicht auf ihren Plätzen, als sich die Gäste zum ersten Mal in den Armen lagen. Zwei Minuten später war es erneut so weit, 0:2. Der Gast aus Brünn agierte derart engagiert im Pressing, dass sich die Raubkatzen nur selten befreien konnten. Ohne lange zu fackeln wurden die Chancen mit einem Torschuss abgeschlossen. Zugegeben, ein wenig Glück war auch im Spiel. Verteidiger Jozef Kováčik zog von der blauen Linie ab, keine Chance für Torwart Roman Will, 0:3. Wars das, können die Jungs diesen Rückstand noch drehen? Verzweifelte, aber auch Gesichter frohen Mutes waren im weiten Rund der Home Credit Arena zu sehen. Ich erinnerte mich an die vorige Saison. Da hätte ein 0:3 Rückstand nur Schulterzucken verursacht. Na und, schießen wir eben selbst vier Tore. Den Anfang machte Petr Jelínek in Überzahl, 1:3. Dann war erstmal Pause. Geburtstagskinder wurden beglückwünscht, und die Sprachkenntnisse zweier Kinder getestet. Der tschechische Junge musste Wörter ins deutsche übersetzten und das deutsche Mädchen, verschiedene tschechische Begriffe nennen. Letztendlich gewannen beide und durften sich über eine Dauerkarte für die aktuelle Saison freuen. Gewinnen wollen natürlich auch die Jungs um Kapitän Branko Radivojevič. Beide Mannschaften begegneten sich jetzt auf Augenhöhe. Kometa blieb gefährlich, doch auch Liberec tat nun mehr nach vorn. Kampflos geschlagen geben, wollte sich die Mannschaft natürlich nicht. Das Wort „Arbeitsverweigerung“ hatte ein Zuschauer zur Pause in den Mund genommen. Ob der selbst jemals Leitungssportler war? Ich glaub eher nicht. Während ich mich noch gedanklich darüber aufregte, lag die Scheibe abermals im Netz. Anschußtreffer zum 2:3 durch Ondřej Vitásek. Fast hätten die Gäste aus Mähren den alten Abstand wieder hergestellt, doch die Verteidiger entschärften alle Angriffe souverän. Eiskalt, so wie Brünn im Anfangsdrittel, sollten jetzt auch die Tiger in der Offensive agieren. Nach einigen Anläufen, stand die Arena Kopf, 3:3. Dominik Lakatoš spielte auf Vladimír Svačina, der die Scheibe aus kurzer Distanz ins Netz beförderte. Bei einem Sieg in der regulären Spielzeit, wäre Liberec Tabellenführer. So leicht gaben sich die Kometen jedoch nicht geschlagen. Noch einmal kurze Anweisungen der Trainer, ehe es in die Verlängerung ging. Keiner wollte nun den entscheidenden Fehler begehen. Liberec sah sich zunächst in der Defensive. Durch eine geschickte Schlägerbewegung rutschte die Scheibe aus der Gefahrenzone. Milan Bartovič sprintete hinterher, bediente Dominik Lakatoš, der zum 4:3 verwandelte. Zwölfter Sieg in Folge. Ein perfekter Abschluss für den Tschechisch-Deutschen-Fantag.

Was Ali trägt

Du glaubst das du stilvoll gekleidet bist? Dann hast du Ali noch nicht gesehen. Ali zog vor über 40 Jahren aus der Türkei nach Deutschland. Ursprünglich war er Arzt, später arbeitete er als Schneider in Berlin. Bei seiner Liebe zur Mode ist das eigentlich kein Wunder. Täglich lief Ali an der Arbeitsstelle von Zoe Spawton vorbei. Zoe hatte schließlich die Idee, Ali regelmäßig zu fotografieren und ihre Fotos im Internet zu veröffentlichen. Geplant war auch ein Buch, doch das Projekt geriet ins Stocken, da Ali derzeit wieder in der Türkei weilt.

Gelesen habe ich diese Geschichte bei Boredpanda. Die Webseite von Zoe Spawton mit den Fotos von Ali, findet ihr unter folgendem Link: http://alioutfit.tumblr.com

Neunter Sieg in Folge

In der Nacht nach dem Spiel gegen Mountfield HK hab ich geträumt, dass mir ein Spieler bei Facebook schrieb, ich solle bitte keine Bilder von ihm veröffentlichen, da er eigentlich krankgeschrieben ist. Diese Situation erlebe ich im Lokalsport nahezu wöchentlich, bei den Profis ist das natürlich unwahrscheinlich. Ohnehin brauchte sich nach der Partie kein Spieler verstecken, denn beide Mannschaften lieferten eine überaus starke Leistung ab. Die Gäste erwischten den besseren Start und drängten Liberec weit in die eigene Hälfte. Es dauerte ein wenig, ehe sich die Raubkatzen befreien konnten. Das 1:0 durch Daniel Špaček sollte Sicherheit geben, doch sofort waren die Jungs von der Elbe wieder am Drücker. Dank dem erneut überragenden Roman Will im Tor der Hausherren, blieb es bei der knappen Führung. Direkt im Gegenzug schnappte sich Jan Ordoš die Scheibe, lief rechts am gegnerischen Gehäuse vorbei, hinten herum, tauchte am linken Pfosten wieder auf und netzte zum 2:0 ein. Nach zwanzig gespielten Minuten ertönte wie gewohnt die Pausensirene. Alle Spieler im Trikot der Weißen Tiger sprangen auf, um rechtzeitig zur Traineransprache in der Kabine zu sein. Derweil streckten die Jungs im Trikot des Mountfield HK ihre Arme in die Luft. Was war passiert? Dank Videoanalyse konnte geklärt werden, dass der Puck erst nach Ablauf der Spielzeit über die Linie rutschte. Für ausreichend Gesprächsstoff war also erstmal gesorgt und die Raubkatzen sollten gewarnt sein. Wiederanpfiff, die Jungs aus Hradec Králové weiter offensiv. Eine Angriffswelle nach der nächsten rollte auf die Weißen Tiger zu. Aufopferungsvoll warfen sich die Spieler in einzelne Schüsse. Alle Kräfte wurden mobilisiert, um das 2:0 zu halten. Glück und Zufall halfen ebenso. Zwar konnte der Anschlusstreffer durch Bedřich Köhler nicht verhindert werden, doch wenigstens blieb es bei der knappen Führung. Im letzten Drittel wirkten beide Mannschaften körperlich platt. Oft verhakten sich die Jungs in Zweikämpfen an der Bande, um ein paar Sekunden durchatmen zu können. Die Zeit lief für Liberec. Auch das herausnehmend des Torwarts zu Gunsten eines weiteren Feldspielers führte nicht zum gewünschten Erfolg für den Mountfield HK. 2:1 Endstand und somit der neunte Sieg in Folge für die Weißen Tiger.